Japanologentag 2015
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Japanologische Ansätze zur Katastrophe vom 11. März 2011 --Session 2

Die Olympischen Spiele Tokyo 2020 als symbolische Lösung für die nordjapanische Dauerkrise?

Christian Tagsold

Als die Olympischen Sommerspiele für das 2020 vergeben wurden, fiel den IOC-Mitgliedern die Wahl sicherlich nicht einfach. Alle drei Bewerberstädte – Istanbul, Madrid und Tokyo – warteten mit je eigenen Krisen auf. Letztlich wurde Tokyo zum dritten Mal nach 1940 und 1964 zur Ausrichterstadt gewählt.
Die Rahmenbedingungen für den kommenden globalen "Mega-Event" sind höchst speziell. Noch immer leidet Nordjapan unter den Folgen der dreifachen Katastrophe vom März 2011. Speziell die Wunden, die die Havarie von Fukushima gerissen hat, werden so schnell nicht verheilen. Die Olympischen Spiele sollen eine Antwort auf diese beispiellose Krise liefern. Nordjapan soll in die Spiele mit einbezogen werden. Die Olympischen Spiele sind damit ein guter Ausgangspunkt, die symbolischen, weit über Japan hinausreichenden Dimensionen der dreifachen Katastrophe zu untersuchen.

Überlegungen zur Resilienz in Küstenorten an der südlichen Sanriku-Küste anhand einer Analyse der Erhebungsergebnisse vom 13. Fischereizensus von 2013

Johannes Wilhelm

Im November 2013 wurden erstmals seit der Katastrophe vom 11. März 2011 Daten für den (13.) Fischereizensus erhoben. Diese geben einen tiefer reichenden Einblick in die unmittelbaren und mittelfristigen Auswirkungen der Katastrophe vom 11. März 2011 an der pazifischen Küste Tōhokus und erlauben erste Aussagen über die strukturellen Auswirkungen der Katastrophe in einzelnen Küstensiedlungen. Im Beitrag werden die Zensusdaten von 2013 besonders in Bezug auf die soziale Verletzbarkeit und Resilienz einzelner Küstensiedlungen untersucht, so etwa auch hinblicklich der regionalen Mikromigration im Zuge von Umsiedlungsmaßnahmen, U-Turner oder den lokalen Rivalitätsbedingungen im Fischereiwesen. Schwerpunktmäßig befasst sich die Analyse mit Küstenorten an der Ost- und Westseite der Oshika-Halbinsel, wo die Katastrophenschäden besonders groß waren und zugleich eine große Vielfalt an Bedingungen und Zuständen beim Wiederaufbau aufweisen. Nicht zuletzt werden vorangegangene, erste Beobachtungen, Annahmen und Überlegungen zur Fischereientwicklung nach 3.11, die bereits 2012 in Zürich dargelegt wurden, überprüft und reflektiert.

Bürgermessstationen - Wissensproduktion über Lebensmittelsicherheit durch zivilgesellschaftliche Akteure nach 3.11

Cornelia Reiher

Seit der Dreifachkatastrophe im März 2011 wurden und werden noch immer radioaktive Substanzen aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Dai’ichi in die Atmosphäre, das Grundwasser und den Pazifik abgegeben. Das stellt besonders die Sicherheit japanischer Agrar- und Fischereiprodukte in Frage. Die Verunsicherung in der japanischen Bevölkerung darüber, welche Lebensmittel "sicher" sind und welche nicht, ist nach wie vor groß. Da viele Bürger mit der Informationspolitik der japanischen Regierung und der zuständigen Behörden unzufrieden sind, entstanden seit 2011 über hundert Bürgermessstationen vor allem in Kantō und Tōhoku. Mit Spendengeldern haben lokale Initiativen Messgeräte angeschafft und untersuchen gegen eine geringe Gebühr Lebensmittel und Bodenproben. Die Ergebnisse werden im Internet veröffentlicht. Das Paper setzt sich mit der Frage auseinander, inwieweit diese zivilgesellschaftlichen Akteure Informationslücken füllen können, neue Wissensräume schaffen und die staatliche Deutungshoheit darüber, was "sichere Lebensmittel" sind, herausfordern. Der Beitrag beruht auf Interviews mit Betreibern von Bürgermessstationen und teilnehmender Beobachtung bei Vernetzungstreffen verschiedener Initiativen im März 2013.

Diskussion Teil II