Japanologentag 2015
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Japanologische Ansätze zur Katastrophe vom 11. März 2011 --Session 1

Regionalmedien nach 3.11. Community-Journalismus im Zeichen der Katastrophe

Florian Meißner

Wegen ihrer Berichterstattung über 3.11 ernteten die japanischen Medien viel Kritik. Doch dabei wird oft vergessen, dass insbesondere die Regionalmedien ein ganz anderes Bild von der Katastrophe zeichneten als die Tōkyō-basierten und damit den politisch-ökonomischen Machtzentren nahe stehenden Medienkonzerne. Die Mitarbeiter der regionalen und lokalen Zeitungen in Tōhoku, vielfach selbst von der Katastrophe betroffen, arbeiteten zum Teil unter schwierigsten Bedingungen,um Betroffene mit den wichtigsten Informationen zu versorgen. Im Zuge des Wiederaufbaus geben sie bis heute den Sorgen und Nöten der Menschen eine Stimme. Aus der Nähe zu den Betroffenen entwickelte sich gegenüber der Zentralregierung und Tepco eine kritische Distanz, die man sonst meist vergeblich sucht. Dahinter steht ein Selbstverständnis der regionalen Medienakteure, das sich aus einer starken Verbundenheit zur jeweiligen Community speist. Auch über die Lage in den von Radioaktivität betroffenen Gebieten wurde vielfach sehr offen berichtet; allerdings stellt die anhaltend schwierige Situation in Fukushima die dortigen Medien vor zahlreiche Handlungsdilemmata.

Lokale Governance und kreative, zivilgesellschaftlich-gestützte Place-Making Strategien in Japan's Wiederaufbaugebieten

Christian Dimmer

Der Beitrag diskutiert am Beispiel der Stadt Ishinomaki wie und warum bisher rein experten-gestützte Planungs- und Projektsteuerungsprozesse im Zuge des Wiederaufbaus verstärkt durch neue, raumwirksame (Place-Making) Strategien zivilgesellschaftlicher Akteure und Organisationen ergänzt werden. Der Beitrag versucht einzuschätzen welche langfristigen Folgen dies für das Verständnis von Planung und Governance auf der kommunalen Ebene haben könnte und wie nachhaltig das Engagement neuer Planungsakteure wie etwa sozialer Unternehmer, sein kann.

Moral und Lebensqualität vor Profit? Volunteers, Sozialunternehmer und alternative Lebens- und Arbeitsweisen in Tohoku

Susanne Klien

Seit der Dreifachkatastrophe im März 2011 zeichnen sich neuartige Lebens- und Arbeitsweisen ab. Die Generation der 20 und 30jährigen legt einerseits mehr Wert auf Lebensqualität, ein ausgewogenes soziales Leben und eine Arbeit, die innere Erfüllung bietet, nicht lediglich materielle Kompensation. Andererseits ist im zunehmend instabilen Arbeitsmarkt in Japan die Option der lebenslangen Anstellung rar. Die Studie untersucht Individuen, die aus Tokyo und anderen urbanen Regionen in den Nordosten Japans gezogen sind, um sich dort als Volunteers und Sozialunternehmer zu engagieren. Tōhoku als Experimentierstätte für innovative Lebens- und Arbeitsmodelle. Narrative ausgewählter Personen in den Präfekturen Miyagi und Iwate dokumentieren den Umdenkprozess, der zur Zeit in Japan im Gange ist.

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